King’s Curtain

Das Royal Opera House in London – eines der bedeutendsten Opernhäuser der Welt.

Seit Jahrzehnten prägt dort ein ganz besonderer Bühnenvorhang das Bild des Hauses: der berühmte Schmuckvorhang aus rotem Mohairvelours, versehen mit den Insignien von Königin Elisabeth II.. Diese Vorhänge waren weit mehr als nur Teil der Bühne. Sie wurden zum stillen Hintergrund großer Theatermomente — jener besonderen Augenblicke nach der eigentlichen Aufführung, wenn sich Emotion, Erleichterung und Begeisterung im Applaus des Publikums entladen.

Vor ihnen verneigten sich Generationen bedeutender Künstlerinnen und Künstler: Darcey Bussell, Carlos Acosta, Antonio Pappano – und Jahrzehnte zuvor bereits Rudolf Nurejew, Margot Fonteyn und Maria Callas. Sie alle standen vor diesem tiefroten Samt. Vor 26 Jahren wurden wir erstmals mit der Herstellung dieser historischen Vorhänge beauftragt. In beinahe drei Jahrzehnten öffneten und schlossen sie sich bei mehr als 10.000 Aufführungen. Sie begleiteten Premieren, Zugaben, tosenden Schlussbeifall und unzählige stehende Ovationen.

Nun haben die Vorhänge durch die tägliche Beanspruchung das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Ihre Erneuerung ist daher nicht nur eine technische Notwendigkeit, sondern zugleich ein symbolischer Neuanfang.

Erneut wurden wir mit dieser außergewöhnlichen Aufgabe betraut. Die neuen Vorhänge tragen künftig das persönliche Monogramm Seiner Majestät König Charles III., Schirmherr des Royal Opera House, der Royal Opera und des Royal Ballet. Damit wird die enge und traditionsreiche Verbindung zwischen Monarchie und Bühnenkunst sichtbar gewürdigt.

Sir Alex Beard, Chief Executive des Royal Ballet and Opera, erklärt: „Diese Auftragsarbeit ist Teil eines umfassenden Erneuerungsprogramms im gesamten Royal Opera House, bei dem Bereiche modernisiert werden, die zuletzt in den 1990er-Jahren überarbeitet wurden. Die neuen Vorhänge sind nicht nur eine Würdigung von Tradition und künstlerischer Handwerkskunst, sondern auch eine Investition in die Zukunft unserer Bühne. Wir sind stolz darauf, die Schirmherrschaft Seiner Majestät auf eine so sichtbare und dauerhafte Weise zu ehren.“

Und heute, am 14. Mai 2026 um 19:30 Uhr, ist es schließlich so weit: Im Rahmen der jährlichen Spring Gala werden die neuen Vorhänge in Anwesenheit des Königs feierlich enthüllt.

Die Vorbereitungen für dieses außergewöhnliche Projekt begannen bereits Anfang 2025 an unserem Firmensitz in Umkirch bei Freiburg im Breisgau – unter der Leitung unseres Senior Projekt Managers Dipl.-Ing. Andreas Främke. Seit über 30 Jahren bei Gerriets tätig, zählt er zu den erfahrensten Spezialisten für Schmuckvorhänge und Theatertechnik. In London wurden historische Unterlagen gesichtet, Maße genommen und technische Anforderungen analysiert. Auch die moderne Bühnentechnik musste bei der Planung berücksichtigt werden. Die Beschaffung der Stoffe erwies sich dabei als besondere Herausforderung – nur noch wenige Hersteller weltweit fertigen die benötigten Materialien. Erste Muster in Originalgröße werden angefertigt.

Die Vorhänge bestehen aus insgesamt vier Lagen: einer sichtbaren Schmucklage aus rotem Velours mit einem Gewicht von 800 g/m², einer rückseitigen Schutzlage sowie zwei zusätzlichen schalldämmenden Zwischenlagen. Am Ende werden rund 750 Kilogramm Stoff verarbeitet. Die beiden Vorhangteile messen jeweils 9,75 Meter in der Breite und 10,8 Meter in der Höhe.

Parallel dazu begann unter Aufsicht des Königshauses die Royal School of Needlework mit der Herstellung der aufwendigen Stickereien – darunter die Krone, königliche Signets und zahlreiche dekorative Schmuckelemente. Eine beeindruckende handwerkliche und gestalterische Leistung.

Auch aus bühnentechnischer Sicht ist die Konstruktion außergewöhnlich: Der Vorhang vereint Elemente der Wagnerschen und der Deutschen Öffnung. Dabei wird er diagonal seitlich nach oben gezogen und gleichzeitig als Ganzes angehoben. Genäht wurden die Vorhänge schließlich in unseren Werkstätten im französischen Volgelsheim bei Breisach am Rhein, nahe der deutsch-französischen Grenze am Rhein.

Unter der Leitung unserer erfahrenen Näherin Hildegard Heitfeld arbeiteten ihre Kolleginnen Océane Mebold, Barbara Schwob und Laurence Gerber über vier Wochen hinweg mit höchster Präzision: Die Stoffe wurden geprüft, vermessen, zugeschnitten und erneut kontrolliert. Mehrere Nähmaschinen waren gleichzeitig im Einsatz. Die Verarbeitung der schweren Materialien und aufwendigen Applikationen verlangte höchste Konzentration, handwerkliches Können – und auch körperliche Kraft.

Vor zwei Wochen begann schließlich die Montage vor Ort in Großbritannien. Unsere Techniker Falk Zeides, Manuel Back und Filip Garbacz begleiteten die Lieferung.

Unter strengster Geheimhaltung – selbst gegenüber vielen Mitarbeitenden des Hauses – wurde ausschließlich nachts gearbeitet, wenn keine Vorstellungen stattfanden. Die Vorhänge wurden aufgehängt, angepasst und immer wieder getestet. Erst nachdem alle Bewegungsabläufe perfekt funktionierten, wurden beide Teile im unteren Bereich exakt zusammengenäht.

Dieses Projekt ist ein eindrucksvolles Beispiel europäischer Zusammenarbeit – getragen von Leidenschaft, Präzision und jahrzehntelanger Erfahrung.

Wir sind stolz, Teil dieses besonderen Moments zu sein.

Es lebe die Kunst.

Vorhang auf! Wir kümmern uns um den Rest.